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Die Wassermühlen an der Steinau

Die Wassermühlen an der Steinau auf dem Hammer

Die Papiermühlen von Mannhagen

von Hermann van Merhagen aus Hammer

1985

Inhalt :

Zur Einleitung

- Die Papiermühlen van Mannhagen

1428 – 1463

1633 - 1648

- Die „Obere Mühle“ an der Steinau

- Die „Niedere Mühle“, auch „Kupferhammer“ genannt, an der unteren Steinau

- Das Ende einer Epoche

- Verzeichnis der Besitzer der „Oberen Mühle“ an der Steinau auf dem Hammer

- Quellen Angabe

Zur Einleitung…

Der Mensch hat sich von alters her die Kräfte der Natur zunutze gemacht, um mit ihrer Hilfe schwere oder immer wiederkehrende Arbeit zu verrichten. Am Anfang standen die Mühlen, die durch Wind oder Wasser angetrieben wurden.

Im Küstengebiet waren die Windmühlen typisch für diese Landschaft, während im übrigen Flachland sowie im Mittel- und Hochgebirge die kleinen und großen Wassermühlen zahlreich vertreten waren. Für die verschiedensten Zwecke wurden Wassermühlen angelegt. Es gab z.B. Kornmühlen, Sägemühlen, Ölmühlen, Papiermühlen, Drahtmühlen, Hammermühlen, Lohmühlen usw.

Die Mühlen können getrost als die ältesten technischen Betriebe und Kraftwerke bezeichnet werden. Vom frühen Mittelalter an bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts hatten die Mühlen im Wirtschafts- und Volksleben einen besonders hohen Rang. Mühlen gehörten früher zum Besitz der Landesherren, der Städte und Klöster.

In Hessen bestand lange Zeit ein landgräfliches Mühlenprivileg. Kein Adliger, keine Stadt und kein Dorf durften eine Mühle errichten. Die Mühlen wurden meist verpachtet und waren eine gute Einnahmequelle. Es war in vielen Gebieten üblich, dass vom Landesherrn verfügt wurde, in welcher Mühle die Bauern eines Dorfes ihr Korn mahlen lassen mussten. Eine Nichtbeachtung stand unter hoher Strafe. Das geschah sicherlich zum Zweck, die bestehenden Pfründe zu erhalten und die Einkünfte aus Zins und Pacht nicht zu schmälern. Eine genaue Order schrieb dem Pächter einer Mühle vor, wie er seine Arbeit zu verrichten hatte, wie streng die Gewichtskontrollen zu sein hatten und welcher Lohn an die Müllerknechte auszuzahlen sei.

In einer Mühlenverordnung von 1615 war das Fluchen und Schwören, der Gebrauch von Schimpf- und Scheltworten sowie das Tragen von Waffen in den Mühlen streng verboten. Aus all dem ist ersichtlich, dass Mühlen und Müller im damaligen Volksleben eine besondere Rolle spielten und sich der strengen Aufsicht, aber auch des Schutzes der Obrigkeit erfreuten.

Im Norden unseres Landes wurde das viel großzügiger gehandhabt. Die Handwerker und Bauern hatten schon früh gewisse Freiheiten errungen. Sicher, die Landesherren, die Bischöfe und Städte hatten ihre eigenen Mühlen, betrieben diese aber für ihre eigenen Zwecke bzw. für die Bedürfnisse ihrer Untergebenen. Auch hier musste jeder, der eine Mühle pachten, kaufen oder verkaufen wollte, vorher die Genehmigung des Landesherren einholen. An diesen waren in jedem Falle für Betreibung einer Mühle und für die Nutzung von Grund und Wasser jährlich Pacht in bar oder Naturalien zu zahlen. Der Landesherr hatte bei einem etwaigen Verkauf grundsätzlich das Vorkaufsrecht. Pächter oder Eigentümer der Mühlen im Lauenburgischen waren meist Müller, Bauern und Handwerker.

Das Leben der Menschen in der alten Zeit war ohne das Vorhandensein der Mühlen einfach undenkbar. Hier wurden die Dinge hergestellt, die der Mensch zu seiner Existenz benötigte. Man denke an Mehl, Öl, Papier und vieles andere mehr.

Unter diesen Umständen ist es erklärlich, dass die beiden Worte „Mühle“ und „Müller“ seit alters her eine besondere Bedeutung im Sprachgebrauch hatten. „Müller“ ist der am meisten verbreitete Familienname in unserem Lande. Würde man den Stammbaum eines solchen Namensträgers zurückverfolgen, könnte man in vielen Fällen feststellen, dass einer der Vorfahren ein Müller war. Der Name kommt so oft vor, dass er häufig mit dem Zusatz des Geburtsortes, dem Mädchennamen der Ehefrau oder mit dem Beruf verbunden wird, um nicht mit einem anderen „Müller“ verwechselt zu werden. Beispiele: „Müller-Horst“, „Müller-Born“ und „Müller-Schmied“. Viele Städte- und Ortsnamen wie Mölln, Mühlheim, Mühlacker, Mühldorf, Mühlenrade, Mühlingen, Mühlenbach usw. verbinden sich mit dem Wort „Mühle“. Auch der Familienname „Möller“ dürfte die gleiche Herkunft haben. Im Stadtwappen der Stadt Mölln nimmt das Mühlenrad einen herausragenden Platz ein. Es erinnert an die zahlreichen Mühlen, die früher hier an der Stecknitz und an den Möllner Seen lagen.

Floss ein Bach, der ganzjährig Wasser führte, durch eine enge Talmulde, so wurde, wenn noch erforderlich, ringsherum zusätzlich ein Damm aufgeworfen. Das Bett des Baches wurde am Ende der Mulde durch eine Schleuse geschlossen. Das Wasser des Baches ergoss sich nun in die hergerichtete Senke und so entstand je nach Bedarf ein größerer oder kleinerer Stauteich. Damit war genügend Wasser für den Betrieb der Mühle verfügbar. Hatte der Wasserstand die vorgesehene Höhe erreicht, wurde die vorerwähnte Schleuse derart geöffnet, dass nur so viel Wasser ablaufen konnte, wie am oberen Teil wieder zufloss.

Hinter dem Stauteich oder unterhalb von ihm befand sich die Mühle. Ein künstlich angelegter Mühlengraben, der ebenfalls mit einer Schleuse versehen war, ließ im Bedarfsfall das Wasser aus dem Stauteich auf ein aus Holz gefertigtes Wasserrad, dass rundherum schaufelähnliche Behälter aufwies, zufließen. Durch den Wasserdruck wurde das Rad in eine drehende Bewegung gebracht. Die fest mit dem Rad verbundene Achse führte in das Innere der Mühle und setzte hier das eigentliche Mühlenwerk in Betrieb. Das Wasser strömte nun hinter dem Rad durch den angelegten Mühlengraben wieder in das ursprüngliche Bett des Baches zurück. So konnte man durch das vorhandene Schleusensystem die Mühle jederzeit in Betrieb setzen oder ruhigstellen.

Da früher die menschlichen Ansiedlungen aus naheliegenden Gründen häufig an fließenden Gewässern lagen, waren meist in ihrer Nähe auch die Wassermühlen zu finden. Eine Ausnahme bildeten Sagemühlen. Um weite Transportwege für das geschlagene Holz zu vermeiden, wurden sie meist am Waldesrand angelegt. Gerade diese in stiller Einsamkeit gelegenen Mühlen haben immer einen besonderen Reiz auf die Menschen ausgeübt. Manch emsiger Wandersmann fühlte sich beim Anblick einer tief im Tal liegenden Mühle in eine Märchenwelt versetzt.

So ist es verständlich, dass beim unermüdlichen Plätschern eines munter dahinfließenden Baches und dem rhythmischen Klappern einer Mühle beliebte Volks-weisen entstanden, die früher von Jung und Alt gern gesungen wurden, nun aber langsam vergessen werden.

Wer kennt nicht die alten Lieder wie „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“, „Das Wandern ist des Müllers Lust“ oder „Es steht eine Mühle im Schwarzwälder Tal“ usw.? Wer kennt noch den alten Müllergruß, der da lautets „GLÜCK ZU!“?

Die Papiermühlen von Mannhagen

1428 - 1463

Schon 1393 bestand nachweislich eine Kornmühle in Hoenhagen, dem heutigen Mannhagen. Das ganze Dorf einschließlich dieser Mühle ging um 1400 in den Besitz des Ratzeburger Bischofs über.

Im Jahr 1428 erwarb der Lübecker Ratsherr Tiedemann Soling die Mühle. Er hatte vorher eine Papiermühle in Schönkamp bei Kurau besessen, die er jedoch wegen Unrentabilität aufgeben musste. Das Grundwerk für die Papierherstellung ließ er dort ausbauen und als Zweitwerk in die erworbene Mühle in Mannhagen einrichten.

Er betraute seinen Neffen, Cord Soling, mit der Ausrüstung und Führung der Mühle. Der Ratsherr Soling starb 1436 in Lübeck. Seine Kinder bzw. deren Vormünder verkauften 1458 „de Molen thom Hunhagen myth der papirs Molen“ an Klaus Schomaker. Der Kaufpreis von 200 Mark lüb. wurde zu 6% gestundet.

Für 280 Mark lüb. verkaufte Schomaker schon nach 5 Jahren, also 1463, die Mühle mit 2 Grundwerken an den Lübecker Ratsherrn Hinrich von Hachede. Der wandelte die Mühle in eine Korn- und Walkmühle um. Über die Ursachen, die zur Bearbeitung von Stoffen und Geweben anstelle der bisherigen Papierherstellung führten, ist nichts bekannt.

Damit ist im 15. Jahrhundert nach nur 35 Jahren die Papierherstellung in Mannhagen beendet worden.

1633 - 1648

170 Jahre später wird von einer weiteren Papiermühle an der Steinau in Mannhagen berichtet. In den Amtsregistern von Schönberg ist erstmalig 1633/37 die Einnahme von Mühlenpacht 40 fl für die Papiermühle zu Mannhagen vermerkt.

Der Besitzer der Mühle war der Ratsherr und Stiftshauptmann Hermann Clamor von Mandelslo aus Ratzeburg. Sein Sohn Friedrich Ulrich, der später die Mühle übernahm, bat 1646 um die Erlaubnis, die Mühle verkaufen zu dürfen. Das wurde ihm mit der Maßgabe bewilligt, dass an den Bischof von Ratzeburg 1/10 der Kaufsumme und an den Amtmann zu Schönberg von jeder Mark lübisch 1 Schilling zu zahlen sei.

Es kam wohl nicht mehr zum Verkauf. In einem Prozess gegen den Besitzer von Mandelslo wurde schon 1638 von dem äußerst schlechten Zustand der Mühle berichtet. Im Jahr 1647 hat ein Sturm die Mühle vollständig niedergerissen. Der Papiermacher war daraufhin fortgezogen.

So hat die Papierherstellung in Mannhagen auch im 17. Jahrhundert nach nur 15 Jahren ein unrühmliches Ende gefunden.

Die „Obere Mühle“ an der Steinau

Der selbständige Ortsname HAMMER wird um 1850 erstmals verwendet. Bis zu diesem Zeitpunkt hieß die amtliche Bezeichnung „Auf dem Hammer zu Mannhagen“. Hier stand schon in der Mitte des 17. Jahrhunderts eine herzoglieche Kupfer- und Drahtmühle. Sie befand sich im Tal der Steinau unterhalb des jetzigen Gasthauses „Zum Steinautal“.

Die Papiermühle

Der Beginn der Papierherstellung auf dem Hammer ist genau nachzuweisen. Laut Kaufvertrag vom 8. Mai 1674 kaufte der Papiermacher Heinrich Zinck aus Plön vom Herzog Christian Ludwig von Mecklenburg die bisherige Drahtmühle mit der ausdrücklichen Genehmigung, sie zu einer Papiermühle umbauen zu dürfen.

Da Zinck nicht über die Mittel verfügte, um die Kaufsumme von 550 Reichstalern und gleichzeitig die erheblichen Umbaukosten aufzubringen, musste er sich Geld leihen. Der Herzog erteilte hierzu die erforderliche Genehmigung. Zinck nahm Kredite auf bei:

Kirchen, Schulen und Armenhäusern des Fürstentums Ratzeburg – 450 Reichstaler

Kirche zu Nusse – 100 Reichstaler

Jürgen Vaselau, Lübecker Bürger – 2000 lüb. Mark

Diese Belastungen ruhten fortan auf der Mühle und erforderten vom jeweiligen Besitzer neben den üblichen Abgaben an die Obrigkeit noch erhebliche Zinszahlungen.

Bis zum Jahr 1854 sind die auf dem Hammer tätig gewesenen Papiermacher namentlich erfasst (siehe Tabelle). In der damaligen Zeit Papier herzustellen, war ein schwieriges Geschäft. Der Papiermacher war deshalb unter den Handwerkern ein angesehener Mann. So wurde Michael Samuel Meyer, der 1760 Besitzer der Mühle war, am 23.7.1796 im Erbbegräbnis vor dem Altar der Kirche in Nusse beigesetzt. Eine seltene Auszeichnung, die nur verdienstvollen Männern zuteilwurde.

Die Papiermacher waren sich der besonderen Bedeutung ihres Berufsstandes und des hohen Ansehens, das ihnen galt, wohl bewusst. Es gehörte zur Tradition, dass wenigstens ein Sohn das Handwerk des Vaters erlernte und später auch ausübte.

So folgten sogar alle vier Söhne des Michael Samuel Meyer dem Beruf des Vaters. Im Laufe der Zeit wurden zahlreiche Ehen innerhalb der Papiermacher Familien geschlossen. Kein Wunder also, dass die Besitzer oder Pächter der Papiermühlen von Lübeck, Ratzeburg, Ferchau, Behlendorf, Hollenbek, Plön, Schlutup, Grönwhold und Hammer in irgendeiner Weise verwandtschaftlich verbunden waren.

Solange dieses Handwerk bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts betrieben wurde, konnte man von einer Papiermacher-Sippe berichten.

Lumpen aus Leinen und Baumwollzeug - vom Papiermacher auch Hadern genannt - bildeten früher den Rohstoff für die Papierherstellung. Sie wurden sortiert, gereinigt, zerrissen, gekocht und vermahlen. Der so entstandene Papierbrei wurde mehrfach fein gesiebt und zum Schluss gepresst und bei gutem Wetter an der Luft oder unter dem Dach getrocknet. Bei der Herstellung von Buchbinder-Pappe wurde der Brei verschieden eingefärbt. Bei Kanzleipapier für Urkunden, Dokumente, Erlasse und Urteile wurde das Produktionsverfahren noch durch Leim, Bleichmittel und andere Zutaten ergänzt und verfeinert. Die Sauberkeit des verfügbaren Wassers war bei der Papierherstellung von ganz besonderer Wichtigkeit. Laut einem Bericht der Bettenhäuser Mühle zu Beginn des 18. Jahrhunderts musste ein Papierbogen im Ganzen 72 Handgriffe über sich ergehen lassen, ehe ihn der Schreiber in der Kanzlei benutzen oder der Buchdrucker in die Druckerpresse nehmen konnte.

In den 180 Jahren, in denen Papiermacher in der Mühle ihr Handwerk betrieben, hat sie den Besitzern vielerlei Sorgen bereitet. Die auf der Besitzung ruhenden Lasten, wie die üblichen Abgaben an die Obrigkeit sowie die Zinsen für die Hypotheken, fraßen den größten Teil des hart erarbeiteten Gewinnes auf. Bei Wassermangel im Sommer und Eis im Winter stand das Mühlenrad lange still. Nach der Schneeschmelze im Frühjahr zerstörte das Hochwasser Wälle und Schleusen und zwang zu kostspieligen Reparaturen. Diese widrigen Umstände führten im Laufe der Zeit immer wieder zu Bitten um Zahlungsaufschub. Friedrich Meyer, der seit 1796 in der Mühle war, musste sogar 1810 Konkurs anmelden. Aus der Konkursmasse erwarb sein Namensvetter Samuel Friedrich August Meyer für „2250 grob courant“ die Mühle. Aus den Unterlagen ist nicht ersichtlich, ob und wie er mit den gleichnamigen Vorbesitzern verwandt war.

Es gab dann noch ein Problem, dessen Lösung immer schwieriger wurde. Der Mangel an ausreichenden Mengen brauchbarer, vor allem weißer Leinenlumpen wurde immer wieder beklagt. Der steigende Bedarf an Papier konnte zeitweise nicht gedeckt werden und zwang vorübergehend zur Stilllegung der Papiermühle. Die Lumpensammler - im Volksmund auch „Plünnekenssammler“ genannt - verkauften an Großhändler in Hamburg, die höhere Preise als die Mühlenbesitzer bezahlten. Die Papiermühle auf dem Hammer, die nachweislich seit 1710 nach Hamburg u.a. an das Handelshaus Otto Neuhaus, Gröningerstraße, lieferte, nahm häufig auf der Rückfahrt Lumpen von dort mit. Um nicht immer die teure Rohware kaufen zu müssen, ersuchte sie um die behördliche Erlaubnis, eigene Lumpensammler zu beschäftigen. Die Genehmigung hierzu wurde erteilt. Außerdem erging eine Anordnung, die das Verbringen gesammelter Lumpen außerhalb des Landes streng untersagte. Die Situation besserte sich daraufhin. Immerhin erhielt ein Lumpensammler für 1 Ztr. weiße Lumpen 8 Mark lüb. in bar.

Die stürmische Entwicklung der Technik und der Naturwissenschaften, die auf allen Gebieten in der Mitte des 19» Jahrhunderts einschneidende Veränderungen erzwang und manches Handwerk zum Erliegen brachte, machte auch vor der bisherigen Papier-erzeugung nicht halt. Um 1850 wurden in Deutschland die ersten Maschinen aufgestellt, die speziell zur Herstellung von Papier konstruiert waren. Sie ermöglichten ein wesentlich kürzeres und billigeres Produktionsverfahren unter Verwendung neuer Rohstoffe. Es entstanden in kurzer Zeit Papierfabriken, in-denen nicht mehr wie bisher ausschließlich Lumpen, sondern Zellstoff, Holzschliff und Stroh als Rohstoffe Verwendung fanden.

Das „neue“ Papier, wie es genannt wurde, kam nun in großen Mengen auf den Markt. Es war durch die Massenproduktion billiger und außerdem in der Qualität wesentlich besser als das nach Handwerksart geschaffene Papier.

Unter diesen Umständen ist es verständlich, dass auch die alte Mühle an der Steinau immer weniger Arbeit fand. Ihr letzter Besitzer, Georg Ernst August Solvie, Sohn des Försters und Freischulzen Friedrich Albert Solvie aus Mannhagen, legte zu Beginn des Jahres 1854 die Mühle still. Damit war nach 180 Jahren die Papierherstellung auf dem Hammer endgültig zu Ende.

Die Ölmühle

Im Frühjahr 1854 erwarb Carl Adolf Friedrich Capell, der am 12.6.1820 als Sohn eines Müllers geboren wurde, die stillgelegte Papiermühle. Sie wurde teilweise abgerissen und an ihrer Stelle mit großem finanziellem Aufwand eine neue Ölmühle errichtet. Er ließ ferner die Steinau regulieren.

Aus Raps, Rüben und Leinsaat wurde jetzt hier Öl gewonnen, das vornehmlich zur

Beleuchtung der Wohnungen in Stadt und Land diente. Die benötigten Rohstoffe lieferten die großen Güter, die den Anbau schon seit vielen Jahren betrieben. Häufig erfolgte der Transport durch flache Lastkähne, die bis zu 10 ts. laden konnten, auf dem Stecknitz-Kanal bis zum Ladeplatz an der Steinaumündung.

Es gab in dieser Zeit in der Umgebung wenig Ölmühlen. Der Bedarf war groß, da Petroleum auf dem Lande kaum bekannt war und nur zögernd in den Städten Verwendung fand. Zudem war Petroleum bei seiner Einführung teurer als das herkömmliche Öl. Die Mühle war daher von Anfang an gut beschäftigt. Die zahlreichen Arbeitskräfte aus dem Ort und seiner Umgebung waren von früh bis spät und zeitweise bei Nacht tätig. Große hölzerne Lagerfässer wurden aufgestellt, um immer genügend Vorräte zu haben. Im Laufe der Zeit waren täglich 12 - 14 Pferdegespanne unterwegs, um die benötigten Ölsaaten heranzuschaffen und das fertige Produkt bei den Händlern und größeren Verbrauchern bis nach Mölln, Ratzeburg und Umgebung anzuliefern.

Im Verlauf der folgenden Jahre drängte das Petroleum jedoch immer stärker auf den Markt. Erdöl, in Nordamerika durch Zufall beim Brunnenbau entdeckt, wurde in immer größeren Mengen gewonnen. Die hohen Fördertürme wuchsen dort wie gigantische Pilze aus der Erde.

Zum alleinigen Zweck nach Erdöl zu bohren, wurden dort große Kapitalgesellschaften gegründet. Zusätzlich zu ihrer eigenen Förderung kauften diese auch die von anderen Firmen gewonnenen Mengen auf und erwarben überall, wo im Innern der Erde Öl vermutet wurde, riesige Ländereien. Diese Unternehmen können als die Vorgänger der heutigen Multi-Konzerne wie ESSO, SHELL, TEXACO, BP und andere bezeichnet werden.

Wer das aus Erdöl gewonnen Petroleum verkaufen wollte, musste dafür sorgen, dass auch geeignete Lampen auf dem Markt waren. Aus diesem Grunde ließen die großen Petroleum-Lieferanten einfache und billige Lampen in Amerika herstellen und brachten diese gemeinsam mit dem Petroleum zum Versand.

Von den großen Seehäfen, vor allem von Hamburg aus gingen die mit ca. 200 Ltr. Petroleum gefüllten Eisenfässer an Großhändler in den Städten und auf dem Land. Ein Posten Lampen war anfangs bei jeder Sendung dabei und erleichterte den Absatz des Petroleums. Abnehmer waren meist die Kramläden, wo das Petroleum wegen des strengen Geruchs seinen Platz abseits von der übrigen Ware in einem Schuppen hatte. Auf dem Lande war es oft der Dorfschmied, bei dem man Petroleum kaufen konnte. Es gab einfache Pumpen, die an der Einfüllöffnung des Fasses befestigt, wurden.

Das Saugrohr reichte fast bis zum Boden des aufrechtstehenden Fasses. So konnte jede gewünschte Menge entnommen und das Fass bis auf einen geringen Rest entleert werden.

In den Räumen der wohlhabenden Bürger spendeten bis dahin bei Dunkelheit die aus Talg oder Bienenwachs gezogenen Kerzen das warme, helle, aber auch kostspielige Licht. Das in den Kramläden angebotene Petroleum und die dazu passenden Lampen wurden aber nun schnell bekannt und verdrängten nach und nach die Kerzen. Zögernd, aber stetig ersetzte die Petroleumlampe auch in den Bauernhäusern und in den Katen der Tagelöhner die blakende Ölfunzel, die bis dahin, an einem Stock unter der Decke der Wohnstube hängend, ein kümmerliches Licht verbreitete.

Die mit dem Petroleum aus Amerika eingeführten Lampen, die zwar zur Einführung recht billig waren, aber wegen ihres bescheidenen Aussehens nicht überall Gefallen fanden, wurden schnell nachgemacht. Tüchtige Handwerker wie Zinngießer, Kupferschmiede und Kunstschlosser fertigten Lampen an, die nicht nur ein helles Licht ausstrahlten, sondern auch als Schmuckstück für die Wohnung gelten konnten. Als dann auch noch Lampen zu kaufen waren, die aus weißem, farbigem oder gar handbemaltem Porzellan oder aus Keramik bestanden, die zudem als Tisch- oder Hängelampe verwendet werden konnten, war der Siegeszug des Petroleums nicht mehr aufzuhalten.

Anstelle der bisher reichlich verwendeten teuren Kerzen aus Bienenwachs fand nun das Petroleum auch Eingang in die Räume der Schlösser und Paläste des Adels, in die Häuser der Gutsherren und in die Amtsstuben der Obrigkeit.

Der strenge Geruch, der dem Petroleum anhaftet und im Gegensatz zu dem aromatischen Duft der aus Bienenwachs gezogenen Kerzen steht, wurde durch die Beimischung von einheimischen oder ausländischen Duftstoffen übertönt oder zumindest gemildert.

Der Besitzer der Ölmühle, Adolf Capell, sah wohl mit großer Sorge die nicht mehr aufzuhaltende Entwicklung mit ihren' verhängnisvollen Auswirkungen auf seinen Betrieb zukommen. Er konnte sich aber nicht dazu aufraffen, früh genug sein Unternehmen auf die geringer werdende Nachfrage nach Rüböl einzurichten. Er traf keine Maßnahmen, um die immer noch hohen Betriebskosten drastisch zu senken. Stattdessen machte er neue Schulden, vor allem bei seinem Onkel, dem Landwirt Joh. H. Vest, dem er im Laufe der Zeit schon viel von seinem Besitz verpfändet hatte.

Nachdem A. Capell beinahe ein Vierteljahrhundert lang die Ölmühle, mit Ausnahme der letzten Jahre, mit Erfolg und Gewinn geführt hatte, musste er schließlich einsehen, dass es für das bisher von ihm hergestellte Rüböl keinen nennenswerten Markt mehr gab. Er musste einen schweren Weg zum Gericht gehen, um hier seine Zahlungsunfähigkeit zu erklären. Im Frühjahr 1877 kam es zur Zwangsversteigerung, die immerhin 3 Tage andauerte. Ein Hinweis darauf, dass noch viel Inventar vorhanden gewesen sein muss.

Der einst stolze Besitz, die Ölmühle, die Gebäude und die Ländereien wurden von Joh. H. Vest ersteigert. Dieser hatte wohl inzwischen so viel Hypotheken und Sicherheiten in seinen Händen, dass dieses Ergebnis zwangsläufig war.

Der Verlust seines gesamten Vermögens und, wie er meinte, auch seiner Ehre, hat Capell nicht verkraften können. Er kränkelte, wie es hieß, „an Leib und Gemüt“ und starb am 12. November 1878 in Hammer. Auf dem Friedhof in Nusse fand er am 15. November 1878 seine letzte Ruhe.

Die Kornmühle

Jetzt war Joh. H. Vest der neue Eigentümer der alten Mühle an der Steinau. Neben seinem bisherigen Besitz besaß er nun auch die neu erworbenen Ländereien und die Gebäude sowie die von ihm im Jahr 1869 erbaute Ziegelei. Diese verfügte über einen damals modernen Ringofen, und der ca. 60 mtr. hohe Schornstein war fast 100 Jahre das weithin sichtbare Wahrzeichen des kleinen Dorfes.

Vest war durch die Erbschaft seiner Frau zu Geld gekommen und ging nun daran, sein Eigentum zu modernisieren. Er fand im Nachbardorf Mannhagen einen jungen, fähigen Mann, der mit Hilfe des vorhandenen Knechtes die Landwirtschaft betrieb. Für die Ziegelei stellte er einen Meister ein, der bisher in einer anderen Ziegelei tätig war. Nach einem Streit mit dem Besitzer hatte er seine ehemalige Arbeitsstätte verlassen. Von Vest bekam er für sich und seine Familie einen Teil der Unterkunft, die früher Capell bewohnte.

Die Mühle ließ Vest nun zu einem neuen Verwendungszweck umbauen. Die Wälle um den Stauteich wurden erhöht und der Mühlengraben erneuert. Durch diese Veränderungen konnte mehr Wasserkraft gewonnen werden. Im Innern der Mühle wurden neue Mahlsteine untergebracht. So entstand durch gleichzeitige Verwendung von Dampf- und Wasserkraft eine leistungsfähige Kornmühle mit besonders gutem Mahlgut.

Anfangs wurde hier nur die verhältnismäßig kleine Getreideernte von Vest und seinen Dorfnachbarn gemahlen. Später kamen die Bauern aus den umliegenden Dörfern hinzu. Mit der Zeit warf die Mühle einen Gewinn ab. So klapperte und mahlte sie fleißig mehr als ein Vierteljahrhundert bis zum Jahr 1906.

In diesem Unglücksjahr wütete im August über dem Ort ein schweres Gewitter mit einem gewaltigen Sturm. Viele Reetdächer wurden abgedeckt und der nachfolgende sintflutartige Regen verursachte im Innern der Häuser und Scheunen große Schäden. Die Bewohner, die, wie immer bei einem Unwetter, aus Furcht vor dem Blitz betend um den Tisch in der Wohnstube saßen, wurden plötzlich durch das Feuerharn und des gefürchteten Rufes „Feuer! Feuer!“ aufgeschreckt. Eine Seite der Mühle mit dem Vorratslager stand in hellen Flammen. Von Menschenhand war nicht viel zu retten. Der Gewitterregen, der aber plötzlich prasselnd auf den Brandort niederfiel, löschte schnell das Feuer und verhinderte, dass die Mühle ganz abbrannte oder Nebengebäude betroffen wurden. Als Brandursache gab es wie immer viele Erklärungen und Vermutungen. Da war von Blitzeinschlag und von Selbstentzündung der Vorräte die Rede. Ja, hinter vorgehaltener Hand gab es auch die nicht beweisbaren Gerüchte, wie sie seit alten Zeiten üblich sind.

Die Mühle war durch die entstandenen Schäden als Kornmühle nicht mehr zu verwenden. Wieder ging eine Epoche zu Ende.

Die Korkmühle

Nachdem die vom Brand beschädigten Gebäude instandgesetzt waren, zog einige Zeit später wieder neues Leben in die Mühle ein. Sie diente fortan noch viele Jahre als Korkmühle. Aus Spanien und Portugal eingeführte Korkrinde wurde grob vermahlen. Das Granulat diente vor allem beim Schiffsbau und bei Dampfanlagen als Isoliermaterial. Vom Ladeplatz an der Steinaumündung aus wurde es durch Lastkähne nach Hamburg und Lübeck transportiert.

Im Jahr 1916 wurde eine Wasserturbine eingebaut. Der damit erzeugte Strom diente nicht nur zum Betrieb der Mühle, sondern versorgte auch noch die Vest sehen Wohn- und Wirtschaftsgebäude mit Licht und Energie. Mitte der 20er Jahre wurde die Korkmühle stillgelegt. Sie diente fortan als Lager und Abstellmöglichkeit für landwirtschaftliche Geräte.

Mit dem Flüchtlingsstrom, der nach Ende des zweiten Weltkrieges auch Schleswig- Holstein überflutete, kam u.a. auch ein Schuhmachermeister aus dem Osten nach Hammer. In einem leerstehenden Raum der alten Mühle richtete er seine Werkstatt ein. Gegen Naturalien reparierte er das Schuhwerk der Bauern. Reste von ledernen Treibriemen aus der Dampfmaschinenzeit wurden zu Sohlen und Absätzen verarbeitet. Seine ursprüngliche Absicht, in der Nähe der Mühle eine Schuhfabrik einzurichten, musste er jedoch schnell aufgeben. Notwendige Maschinen waren weit und breit nicht aufzutreiben. Rohmaterial und Werkzeuge waren Mangelware und für die damals fast wertlose Reichsmark gab es sowieso nichts zu kaufen. Eines Tages verließ der Meister, der mit großen Hoffnungen gekommen war, wieder die Mühle und zog mit unbekannt gebliebenem Ziel weiter. Damit war auch diese kurze Epoche zu Ende.

Das Ende der Mühle

Das endgültige „AUS“ für die Jahrhunderte alte „Obere Mühle“ auf dem Hammer kam im Jahr 1958. Der gesamte Besitz der alteingesessenen Familie Vest war 1953 wegen Streitigkeiten bei der Erbauseinandersetzung in Konkurs geraten. In der folgenden Zwangsversteigerung erwarb Dietrich Molz, verheiratet mit der ältesten Tochter des letzten, inzwischen verstorbenen Besitzers, das gesamte Anwesen einschließlich der 1869 erbauten Ziegelei auf dem Hammer und der Landwirtschaft sowie die bisher beschriebene Mühle.

Molz setzte nun seine ganze Arbeitskraft dafür ein, die über 80 Jahre alte Ziegelei wieder zu einem modernen und rentablen Betrieb umzugestalten. Er wohnte mit seiner Familie im eigenen Haus unmittelbar neben dem Ziegeleigelände. Für das ursprüngliche Anwesen der Familie Vest hatte er keine direkte Verwendung mehr. Um an die Mittel zu gelangen, die er für die Renovierung der Ziegelei dringend benötigte, verkaufte er im Frühjahr 1958 den gesamten, im Steinautal befindlichen Besitz einschließlich der Mühle an den Hamburger Bauunternehmer Warstat. Dieser ließ sämtliche noch bestehende Gebäude abreißen und baute an ihrer Stelle ein Wohnhaus nebst Garage.

Ein übliches Straßenschild mit der Aufschrift „AN DER KORKMÜHLE“ gibt der Nachwelt einen letzten Hinweis auf den früheren Standort der „Oberen Mühle im Steinautal“, die hier nachweislich fast 300 Jahre bestanden hat.

An ihrem wechselvollen Dasein im Verlauf von 3 Jahrhunderten ist ein interessantes Kapitel Zeit- und Kulturgeschichte abzulesen.

der Besitzer der "Oberen Mühle" an der Steinau auf dem Hammer

Die „Niedere Mühle“ oder auch „Kupferhammer“ genannt an der unteren Steinau

Unterhalb der bereits beschriebenen „Oberen Mühle“, die als Korkmühle 1958 endete, befand sich noch eine weitere Mühle, die in alten Urkunden und Akten als die „Niedere Mühle“ oder „Untere Mühle“ bezeichnet wurde.

In dem 1674 in Ratzeburg Unterzeichneten Kaufvertrag zwischen dem Herzog Christian Ludwig von Mecklenburg und dem Meister Heinrich Zinck, die spätere Papiermühle betreffend, wird diese „Niedere Mühle“ ausdrücklich erwähnt. Sie lag an der unteren Steinau heben einer kleinen Meierei und besaß Wohnungen für 6 Arbeiter. Auf die Gemeindeweide durften 4 Pferde und 6 Kühe geschickt werden. Auf Grund des Datums in vorerwähntem Vertrag darf also angenommen werden, dass die Mühle wie ihre Nachbarin oberhalb der Steinau bereits Mitte des 17. Jahrhunderts bestanden hat.

Der ehemalige Standort der Mühle ist bisher nicht mit Sicherheit bekannt. Nach letzten Hinweisen aus der Einwohnerschaft soll der Kupferhammer, denn als solcher hat die Mühle gedient, an dem alten Fuhrweg, der von Panten nach Hammer führte, gelegen haben. In Hammer erreichte dieser Fuhrweg die alte Straße, die von Alt-Mölln über Mannhagen nach Nusse führt. Die ungefähre Lage soll an der Steinau in Höhe hinter dem jetzigen Feuerwehrhaus gewesen sein. Hier wurden vor ca. 25 Jahren am Bachufer Überreste von Holzpfählen gefunden. Ob sie noch von der Mühle stammen oder einst eine Viehweide begrenzten, das ist hier die Frage. Die vorangegebenen Angaben bezüglich des Standortes beruhen auf Erzählungen bzw. Kindheitserinnerungen und sind deshalb mit der gebotenen Zurückhaltung zu bewerten.

Einen interessanten und wahrscheinlich mit viel Phantasie ausgeschmückten Beitrag zur Geschichte der Kupfermühle finden wir in den „Erinnerungen des Heinrich Wilhelm Steinfatt“, der vom 27.5.1865 bis zu seinem Tode am 15.1.1947 auf dem Hammer lebte.

Hier heißt es u.a.:

"Ich wende mich für einen Augenblick der Kupfermühle zu. Diese hatte vor meiner Erinnerung schon ausgelebt. Ich kenne sie nur dem Namen nach, denn heute heißt die Stehr’sche Besitzung noch die Kupferschmiede.

Das Kupfer wurde auf dem Stecknitzkanal hierher befördert. Ob nun als Erz im geschmolzenen und gereinigten Zustande, kann ich nicht mit Gewissheit behaupten. Jedoch weiß ich so viel: die Wasserkraft der Steinau trieb hier einen Koloss von Hammer, unter dem Kupfer zu Platten von verschiedener Stärke und Größe geformt wurde. Diese Platten würden an die Kupferschmiede verschickt, woraus dann allerlei Geräte, als Kessel, Kochtöpfe, Wasserfüller u.a.m. gearbeitet wurden. Der Hammer soll mit so einer Wucht niedergefallen sein, dass man meilenweit das Getöse wahrnehmen konnte. Daher sind denn die Leute, die daran arbeiteten, meistens schwerhörig geworden. Ob nun auch eine Schmelze damit verbunden war, weiß ich nicht bestimmt. Als Kind kann ich mich entsinnen, dass wir die Kohlenreste durchwühlten und oft Kupfertaler fanden, die wohl hier zum Einschmelzen hergeschickt waren. 1905 starb der letzte Besitzer der Kupfermühle. Es war der spätere Krämer 0hst“

Auch hier wieder Kindheitserinnerungen, wo Phantasie und Wirklichkeit so eng beieinander liegen. Nach den dürftigen Unterlagen, die verfügbar sind, war wohl ein kräftiger Hammer in der Mühle am Werk und verkündete lautstark der Umgebung seinen Fleiß. Da taucht immer die Frage auf, hat der Ort von diesem Hammer seinen Namen erhalten? Vieles spricht dafür, aber der schlüssige Beweis für die Richtigkeit dieser Annahme fehlt bisher.

Im Gegensatz zur Geschichte, der an anderer Stelle beschriebenen ehemaligen Papiermühle geben die vorhandene Literatur und andere Quellen wenig her, um die Geschichte des Kupferhammers möglichst lückenlos zu beschreiben. Man bedenke hierbei, dass Panten, Mannhagen und Hammer von 1747 bis 1937 eine Enklave von Mecklenburg/ Strelitz waren. Flurkarten, Akten und Dokumente lagern heute beim Mecklenburgischen Landeshauptarchiv Schwerin, und beim Kreisarchiv in Schönberg, also in der D.D.R. Der gegenseitige Nachrichtenfluss verläuft noch mit viel Störungen und Hemmungen.

Lediglich Hermannfried Bley aus Schwerin fand im Jahr 1957 Zugang zu dem im dortigen Landeshauptarchiv befindlichen Material über die früheren Mühlen auf dem Hammer.

Fast über 100 Jahre ist über die Besitzverhältnisse und über das Geschehen in der „Niederen Mühle“ nichts bekannt. Erst um 1770 wird der aus Crems bei Lübeck stammende Kupferschmiedemeister Gothard Hieronymus Osten als auf dem Hammer ansässig gemeldet. In den Jahren 1770 bis 1786 lässt er in das Register der Kirche zu Nusse die Geburt von insgesamt 8 Kindern (6 Söhne und 2 Töchter) eintragen. Ebenfalls auf dem Hammer wohnhaft war sein Bruder Franz Osten, von Beruf Kupferschmiedegeselle. Er starb unverheiratet am 13. März 1820 dortselbst.

Bemerkenswert bei der Namensnennung ist die Tatsache, dass ab 1805 nicht mehr der Name Osten, sondern 0hst amtlich genannt und geschrieben wird. Dieser Name stand bis dahin häufig in Klammern hinter Osten. Eine Erklärung hierfür war nicht aufzufinden.

Es kann wohl als sicher angenommen werden, dass der Meister 0hst Besitzer oder Pächter des Kupferhammers war. Warum wäre er sonst gemeinsam mit seinem Bruder von Crems auf den Hammer gekommen? Erhärtet wird diese Vermutung durch die Feststellung, dass nach seinem Tode am 6. Juni 1816 noch 2 Söhne bzw. Enkel ebenfalls in der Kupfermühle in ihrem Beruf tätig waren.

In der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts, dem Beginn des industriellen Zeitalters, entstanden vor allem an Rhein und Ruhr die großen Stahl- und Walzwerke sowie viele metallverarbeitende Betriebe. Durch die riesige Produktion dieser Unternehmen gerieten die nach althergebrachter Methode arbeitenden Wassermühlen in immer größere Bedrängnis. Wie sich diese Entwicklung auch auf den Kupferhammer an der Steinau auswirkte, zeigt ein Auszug aus dem Sterberegister der Kirche zu Nusse:

In der Sterbeurkunde des Joh. August Wilhelm 0hst heißt es am 17. Dezember 1875: „Einwohner und Zimmermann zu Hammer“. Im Sterbeeintrag seiner Ehefrau vom 26. Mai 1896 steht: „Verh. mit Kupferschmied, später Zimmermann Joh. August Wilheim 0hst“.

Aus diesen beiden Eintragungen muss angenommen werden, dass der Verstorbene schon vor 1875 in der Mühle als Kupferschmied keine Arbeit mehr fand und gezwungen war, als Zimmermann - ein auch heute noch intaktes Handwerk - seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Der wohl letzte Inhaber des Kupferhammers war Heinrich Mathias 0hst, der am 3. Juli 1820 als Sohn des Kupferschmiedes August Heinrich 0hst auf dem Hammer geboren wurde. Nach Stilllegung der Mühle war er noch als Krämer tätig. Er starb am 10. Dezember 1903 und wurde wie seine zahlreichen Vorgänger auf dem Friedhof von Nusse beerdigt.

Von der „Niederen Mühle“ oder dem Kupferhammer ist heute nichts mehr vorhanden. Allein der Ortsname Hammer wird wohl immer die Erinnerung an diese alte Mühle an der unteren Steinau wachhalten.

Das Ende einer Epoche

Die wechselvolle Geschichte der Mühlen auf dem Hammer zeigt anschaulich, wie seit Mitte des 19. Jahrhunderts die neuen Erkenntnisse der Wissenschaft und in ihrem Gefolge die hervorragenden Leistungen der Technik die damalige Welt von Grund auf verändert haben.

Das seit alters her durch Handwerksarbeit erzeugte Papier wurde durch moderne Produktionsverfahren und Verwendung neuer Rohstoffe verdrängt. Anstelle der alten Papiermühlen traten nun die Papierfabriken mit ihren Maschinen.

Das Rüböl, seit alten Zeiten die Lichtquelle für den einfachen Mann in Stadt und Land, wurde durch das Petroleum ersetzt. Die Petroleumlampe wiederum musste wenig später dem Gaslicht und der Glühbirne weichen.

Der Kupferhammer musste der Industrialisierung mit ihren Walz- und Stahlwerken weichen, die zahlreich an Rhein und Ruhr entstanden.

Erheblich hat die technische Entwicklung und vor allem die Einführung der Dampfkraft und der Elektrizität als Kraftquelle zum Niedergang der Mühlen beigetragen. Die Wasserturbine hat vielfach das vergleichsweise schwächere Wasserrad verdrängt. Die Umwandlung der Wasserkraft in Elektrizität, wie sie durch Einsatz der Turbine möglich wurde, hat später zwar die Existenz vieler Mühlen um eine kurze Zeitspanne verlängert; aber das Rad der Entwicklung ließ sich nicht mehr zurückdrehen. Die herkömmlichen Wassermühlen, seit Jahrhunderten bewährte Helfer des Menschen, wurden nach und nach endgültig stillgelegt.

Mit der unbeschränkten Verfügbarkeit des Kraftstromes entstanden auch die modernen Großmühlen. Sie besitzen Gebläse, Trocknungsanlagen und anstelle der früheren Mahlsteine schnelllaufende Walzen, die den Mahlvorgang erheblich abkürzen. Verbunden sind diese Großmühlen vielerorts mit riesigen Silos, die zum Himmel ragen und wie Denkmäler des technischen Zeitalters in der früher unberührten Natur stehen.

Eine weitere Entwicklung im bäuerlichen Leben stellte die Gründung von Genossenschaften dar, wie sie vor allem von Friedrich Wilhelm Raiffeisen verdienstvoll betrieben wurde. Diese Genossenschaften besorgen die Ein- und Verkaufsgeschäfte des Bauern auf allen Gebieten. Aus den kleinen Spar und Darlehenskassen entwickelten sich im Laufe der Zeit moderne Großbanken mit einem Netz von zahlreichen Filialen.

Man mag sich heute Gedanken darüber machen, dass die alte, nun verflossene Zeit beschaulicher und frei, von Stress und Zivilisationskrankheiten gewesen sei. Man sollte aber bei diesen Überlegungen nicht vergessen, wie hart und entbehrungsreich das Dasein vor allem der Bauern früher war. Die vielgelästerte „Neue Zeit“ mit ihren Erfindungen und Maschinen hat doch viel dazu beigetragen, das Leben auf dem Lande leichter und erträglicher zu machen. Der Bauer von heute übt seinen Beruf mit Selbstbewusstsein und Anerkennung aus.

Zum Schluss sei noch auf eine interessante Tatsache hingewiesen:

Die Mühlen lagen immer an Gewässern oder am Rande eines Waldes. Sie hatten für ihre früheren Aufgaben ausgedient, aber viele von ihnen sind uns wenigstens mit ihren alten Namen in ursprünglicher Weise erhalten geblieben.

Zahlreiche Wirte errichteten dort, wo einmal eine Mühle stand oder noch steht, ihre gastlichen Häuser. Die in Ortsnähe befindlichen Mühlen, aber auch die versteckt im Wald liegenden ehemaligen Sagemühlen sind heute beliebte Ausflugsziele, die der Großstadtmensch in seiner Freizeit gern aufsucht. Hier versetzt er sich für eine Weile in die Beschaulichkeit und Idylle einer verklungenen Epoche.

Das rhythmische Pochen und Rauschen des Mühlenrades hat aufgehört. Die Märchen umwobene alte Zeit der Mühlen ist vorbei.

Verzeichnis der Besitzer der „Oberen Mühle“ auf dem Hammer:

Kupfer- und Drahtmühle: bis 1674 Hzgt. Mecklenburg

Papiermühle:

1674 Heinrich Zinck, gest. 1681. Am 8.5.1674 durch Kauf erworben. Genehmigung zum Umbau zur Ölmühle. Kaufpreis: 550 Reichstaler

1682 Franz Gerdau, gest. 1699. Schwierigkeiten

1702 Thomas Hinrik Kreth, gest. 1751

1751 Thomas Hinrik Kreth (Sohn), gest.1759

1760 Michael Samuel Meyer, gest. 1796

1796 Friedrich Meyer (4.Sohn v. S.Meyer)

1810 Samuel Friedr. Meyer

1827 Joac. David Kähler, gest. 1850

1846 Georg Ernst August Albrecht Solvie

Ölmühle:

1854 Adolph Capell, gest. 1878

Kornmühle:

1877 Joh. Heinrich Vest

1906 Mühle teilw. abgebrannt

1920 Korkmühle:

1953 Dietrich Molz

1958 Bauunternehmer Warstat Hamburg

Quellenangabe:

„Romantik und Wirklichkeit der alten Wassermühlen“ Richard Wittlich Niestetal - Sandershausen - Eigenverlag

„Siedlungsgeschichte des Landes Lauenburg im Mittelalter“ Wolfgang Prange Wachholz-Verlag - 1960 Neumünster

Archiv der Stadt Mölln

Tauf- und Sterbe- Register Kirche zu Nusse

„Lauenburgische Heimat“ Heft 18 / Oktober 1957, Heft 21 / April 1958

Nordelbisches Kirchenarchiv Lübeck

„Erinnerungen des Heinrich Wilhelm Steinfatt aus Hammer“ geboren am 27.5.1865 gestorben am 15.1.1947

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